Aliza Arin

Johannes Weiss & Tino Waschke

 

"Es geht voran"

 

Eröffnung Freitag, 14. Mai 2021

15 - 21 Uhr

 

14. Mai - 27. Juni 2021

Vor einer Palme steht eine an Auguste Rodins „Eva“ angelegte Plastik, bänderförmige Elemente bilden Gesichtsprofile, am Boden liegen etliche Würfel und eine Feder. Ein Bildraum, der nicht rätselhafter sein könnte, der mit aufgeladenen Symbolen und Begriffen spielt. „Eva´s Schatten“ heißt das Werk, geschaffen haben es Aliza Arin.

 

Der Bildhauer Johannes Weiss (*1980, Neunkirchen/Saar) studierte an der Universität der Künste, Berlin. Gemeinsam mit dem Digital Artist Tino Waschke bilden sie das Künstlerkollektiv Aliza Arin. Kern ihrer Zusammenarbeit ist die Überführung der Skulptur in den digitalen Raum. Bezugnehmend auf frühmoderne Bildhauer wie Rodin, Maillol und de Chirico schreiben sie Darstellungstraditionen fort und stellen, unter den Bedingungen einer digitalen Technologie, erneut die Frage nach der Beschaffenheit von Realität in der Kunst. Auf „der italienische Platz“ wird eine klassisch-moderne liegende Figur von einem schwebenden Wesen aus Magnetbuchstaben flankiert, umgeben von weiteren Bildelementen, die unterschiedliche Epochen repräsentieren. Zwei Möglichkeiten der Realitätsabbildung, zwei Narrative mit dem gleichen Ziel, finden hier in einem digitalen Raum zu einem virtuellen Bilderrätsel zusammen.  

Aus zuweilen plakativen kunstgeschichtlichen Bezugnahmen werden so eigenständige Resonanzräume, die nicht nur zurück, sondern auch nach vorn blicken. Ohne konkrete Fingerzeige, ergeben sich wie von Geisterhand Analogien zu aktuellen Diskursen. Es ist der Blick auf die Anfänge der Moderne, der gegenwärtig von großer Relevanz ist. Wie vor hundert Jahren befinden wir uns heute in einer Zeit des Übergangs. Epochen des Paradigmenwechsels funktionieren nach sich wiederholenden Mustern. Weiss und Waschke holen uns dort ab, wo der Ursprung heutiger Dilemmata lag und führen uns mittels aktueller digitaler Technologie dorthin, wo der Pfad in die Zukunft beginnen könnte. Ihre Möglichkeitsräume sind Orakel ohne Ritual und höhere Instanz, sie sind Gleichnisse einer Gesellschaft am Scheideweg. Wie der Ausstellungstitel „Es geht voran“ belegt, ist die Marschrichtung klar, mit uns oder ohne uns wird sich die Erde weiterdrehen. Denn, wie der alte Fehlfarben-Song, dem der Titel entstammt, weiß: „Geschichte wird gemacht“, so oder so. Weiss und Waschkes virtuelle Bildhauerei liefert schon mal die Bildmetaphern für die neue Zeit.

Hansjörg Fröhlich 

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Aliza Arin

Evas Schatten, 2021, Digitalprint

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Aliza Arin

Der italienische Platz, 2021, Digitalprint

Ein Beitrag zum Projekt "Malerei im analogen und digitalen Raum" gefördert durch

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