Lennart Rieder, Manuel Kirsch

Puff Puff Knack

 

Eröffnung Freitag, 26. März 2021

15 - 21 Uhr

 

27. März - 2. Mai 2021

Puff Puff Knack

Ein Puff Jacket ist eine Art Daunenjacke, die Lennart Rieder dem Schein nach hinter einer gebrochenen Glasscheibe („Knack“) positioniert. „Puff“ steht in Comics oft in kleinen Wölkchen und beschreibt meist die Situation, wenn irgendwo Luft entweicht. Auch Wolken sind etwas Weiches, Fluffiges, die bei Manuel Kirsch aber wie durch Gasverlust auftriebslos gewordene Zeppeline zu Boden fallen können, wo es dann auch „Knack“ macht. Der lautmalerischer Ausstellungstitel verbindet alle Details der Arbeiten und weist doch mit keinem Wort darauf hin, was konkret zu sehen ist.

Eine Neigung zum Surrealen muss dem an den Kunsthochschulen Kassel und Berlin Weißensee ausgebildeten Manuel Kirsch (*1986) nicht erst angedichtet werden. Kirschs „Unter Wolken“ (2020/21, Pastellkreide) nimmt Bezug auf René Magritte (1898-1967). Seine Wolken scheren aus dem Gang der Natur aus, indem sie umkippen, zu Boden fallen und Bremsspuren hinterlassen. Das Absurde wirkt hier selbstverständlich, doch im Gegensatz zu Magrittes Spiel mit Abbild und Wirklichkeit, behauptet Kirsch einfach mal, dass seine Wolke trotz ihres absonderlichen Verhaltens eine Wolke ist. Für den Berliner Künstler bereitet dieses absurde Setting ein großartiges Feld für Spiele mit den Kompositionsmitteln Farbe, Horizont und Objekt.   

Lennart Rieder (*1986), der sein Studium an den Kunsthochschulen in Kassel und Gent absolvierte, malt Zustände. „Untitled (solid but insecure)“ (Öl auf Leinwand, 2020) zeigt softe Polster überlagert von strukturierten Rissen, die an ein beschädigtes Phone-Display erinnern. Etwas fluffiges Weiches liegt scheinbar hinter etwas Hartem und gewinnt gerade dadurch ein Mehr an Körperlichkeit und Sinnlichkeit. Erst die Schadhaftigkeit der vermeintlichen Oberfläche macht deutlich, dass es überhaupt eine Oberfläche gibt. Wie bei Kirsch wirkt auch bei ihm ein Element des Uneigentlichen, was wir sehen ist nicht was gemeint ist. 

Mit „Puff Puff Knack“ ändern Manuel Kirsch und Lennart Rieder die geistige Straßenverkehrsordnung: Wir stehen nicht mehr in der Wirklichkeit und schauen ins Bild, sondern blicken aus dem Bild heraus in die Wirklichkeit.

Hansjörg Fröhlich 

Ein Beitrag zum Projekt "Malerei im analogen und digitalen Raum" gefördert durch

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