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Cigdem Aky & Emel Geris

I just paint to say I love you

5. Februar - 21. März 2021

Das Nebeneinander verschiedener Stile und Epochen ist ein typisches Merkmal digitaler Medien. Seien es die Downloadplattformen für Musik, wo Bach neben Beatles und Beyoncé stehen, sei es das zusammenhangslose Archivieren von Filmen und Serien auf netflix. Medieninhalte werden hier aus ihrem zeitlichen Kontext gerissen und unbefangen einander gegenübergestellt.

 

Etliche dekontextualisierte Verweise und Bildzitate finden sich auch auf den Werken der Malerin Emel Geris (*1980 in Kayseri, Türkei). Von Albrecht Dürer über Caspar David Friedrich und Edvard Munch bis Roy Lichtenstein verfolgt Geris die Traditionslinien der Kunstgeschichte in ihren sehr oft nach Art eines Bühnenbilds arrangierten Motiven. Acryl auf Leinen entstehen hier Innenräume einer surrealen Welt der absoluten Gleichzeitigkeit von Epochen. Dennoch betreibt die an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, und der Universität der Künste, Berlin, bei Daniel Richter ausgebildete Künstlerin keine Malerei über Malerei, sondern verfertigt farbmächtige Gedankencollagen aus mimetischen Bildfragmenten, die wie Ideen, Thesen und Antithesen in einem räumlichen Diskurs widerhallen. Ein Nachdenken mit den Mittel der Malerei.

Auch in den Arbeiten von Cigdem Aky (*1989 in München) scheinen Analogien zu digitalen Bildformaten auf. Die an den Staatlichen Akademien in München und in Karlsruhe, dort als Meisterschülerin Prof. Helmut Dorner, ausgebildete Malerin erforscht in einem geradezu seriellen Verfahren mit jeweils gesetzten Bildelementen und Bildbereichen die Möglichkeiten emotionaler Wirkmacht von Farbarrangements. Aky teilt den Raum in ihren Sujets jeweils in einen starren hochrechteckigen balkenförmigen Bereich in der Mitte, der zu den Rändern des Formats hin von dynamischen Pinselstrichen aufgelöst wird. Das erinnert an die Bildaufteilung von Smartphone-Videochats, wo die chattende Person live im Mittelbalken zu sehen ist und drumherum eine statische Unschärfe (blurr) die dynamische Welt begrenzt und gleichzeitig betont. Nur verhält es sich bei Aky umgekehrt: Bei ihr ist das Zentrum statisch, ein konstruktives auf allen Arbeiten wiederkehrendes geometrisches Element, das von ungemein lebendigen, gestischen Pinselstrichen umspielt wird. Die Künstlerin stellt auf ihren, in Acryl oder Öl auf Baumwolle oder Leinen ausgeführten, Arbeiten das Unverrückbare, das Bleibende in den Fokus und schafft damit Sicherheit und Rückhalt für die Improvisation, für das Spiel mit den Farben, dem Farbauftrag und der Expression der eigenen Körperbewegungen beim Pinselschwung. Wo beim digitalen Videochat die persönliche Performance von formatfüllenden Schwarzbereich eingehegt, also gewissermaßen korsettiert wird, entfaltet sich bei Akys analogen Bildfindungen der persönliche Ausdruck in munterer, schrankenloser Manier um ein stützendes, weil verlässlich feststehendes Element. Gestik profitiert hier von der Statik – nicht umgekehrt.

In der Ausstellung „I just paint to say I love you“ finden nun beide Künstlerinnen zusammen und zeigen eindrucksvoll, wie unversehens beliebig die so geläufigen digitalen Medienarrangements und Bildkonstruktionen wirken, wenn sich echte Meisterinnen der surrealen Gedankencollage und der forschenden Bildfindung dem Thema annehmen. 

Hansjörg Fröhlich     

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Cigdem Aky

Hayal, 2020

Acryl, Öl auf Baumwolle, 70 x 60 cm

Emel Geris

Loser, 2020

Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm

Cigdem Aky

Mit Winterreifen durch die Nacht, 2020

Acryl auf Baumwolle, 70 x 60 cm

Emel Geris

Das gelbe Zimmer, 2020

Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm

Emel Geris

Halbtraum, 2020, Acryl auf Leinwand, 160 x 140 cm

Ein Beitrag zum Projekt "Malerei im analogen und digitalen Raum" gefördert durch

Ausgewählte Künstler der Galerie

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Strzelski Galerie für aktuelle Kunst in Stuttgart

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Thomas Nolden

Im Kochertal, 2009, Öl auf Leinwand, 34 x 46 cm

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