Ausstellungseröffnung
Freitag, 9. Dezember 2016
19 - 23 Uhr


Tina Müller
Draussen nichts als Wunder

tvtower16_40x50cm
Tina Müller: TV-Tower, 2016, Mischtechnik auf Papier, 40 x 50 cm

Landschaften im Wandel der Tages- und Jahreszeiten, strahlende Blumengärten, darunter eindringlich aufgeweckte Tier- und Menschengestalten. Die Stuttgarter Graphik-Designerin und Illustratorin Tina Müller entdeckt so einiges auf ihrem Weg. Durchstreift man ihre Werke, entführen sie den Betrachter in neue Erlebniswelten und laden dazu ein, sich ihrem Spaziergang durch die Natur anzuschließen, um die Umgebung einmal durch fremde Augen zu sehen.

Manchmal kommt es einem vor, als würde man die Welt durch eine kindliche Perspektive betrachten: Die überschwängliche Freude beim einsetzenden Frühlingsduft, der aufregende Moment vor dem ersten Schneeball-Wurf. Dann wiederum eröffnen sich spezielle Charaktere, kritische Gedankeneinschübe oder Träumereien auf der Leinwand, deren Inhalt sich durch die zusätzliche Untermalung verblichener, handschriftlicher Zeilen wage erahnen lässt.
Eine gewisse Poetik trägt das Ganze in sich. Einst als erlebter Sehausschnitt in lockerer Manier auf das Papier gebracht, ist nun der Betrachter an der Reihe, seine Imagination spielen zu lassen. Die farbig und mehrschichtig unterlegten Pinselstrichfragmente vereinen sich im Verstand zu einem Ganzen, welches aufgesogen wird und sich hier und da mit eigenen Assoziationen, Erinnerungen oder Emotionen überlagert. So ist es möglich, dass sich das Dargestellte in jedem Kopf wiederholt – aber jedes Mal auf eine leicht veränderte Weise. Genau wie das Leben, färben abwechselnd Sonnenstrahlen und Dunkelheit in facettenreichen Nuancen die Bildumgebung.

Am Ende hat die Künstlerin recht: Es sind die kleinen Wunder der Welt, die uns bewegen. Wir müssen sie nur erkennen.

Zur Ausstellung von Tina Müller erscheint eine Publikation.


Stephan Zirwes
Moving Stills
Eine über zehn Screens angelegte Videoinstallation im Kieskabinett sowie neue Fotoarbeiten.

moving_stills

Immer wieder treten Menschen, wie Ameisenschwärme in den Bildraum und verschwinden wieder. Schlittenfahrende Kinder, Meeresbrandungen an denen die Wellen zerschellen, Skifahrer, die ihre Bahnen fahren. Alles scheint wie in Zeitlupe vorbeizuziehen, alles spielt an kaum wahrnehmbaren, europäischen Grenzbereichen ab. Ermöglicht wird der Anblick durch eine Drohne, welche der Künstler an einem in der Luft still stehenden Helikopter in 100 Meter Höhe befestigt hat und die gestochen scharfe Aufnahmen in einer Auflösung von 4 K erzeugt.

Bekannt sind ähnliche Szenen aus musikalisch unterspielten Sendungen, wie Earth TV oder von Fotografien aus dem Weltall, wie sie bereits der britische Astronaut Tim Peake geschossen hat. Trotzdem heben sich die Aufzeichnungen des Künstlers Stefan Zirwes auf ihre ganz besondere Art und Weise davon ab. Nicht umsonst ist er Preisträger des Hasselblad Masters Award 2010 und des Sony World Photographer Awards 2016. Auch in mehreren Magazinen konnte er sich bereits als Profifotograf beweisen.
Früher schon begeisterte er mit seinen Werken, wenn er die bisher noch nicht gekannte Schönheit von Schwimmbädern oder Gebäudekomplexen durch Luftfotografien aufzeigte.

Der typischen Vogelperspektive ist er auch bei seinen „moving stills“, den bewegten Standbildern treu geblieben. Anders als zuvor tragen sie nicht nur durch ihre bildschirmimmanente Bewegung, sondern gleichzeitig durch ihre soziale, als auch politische Aussagekraft eine ganz neue Faszination in sich. Dem Künstler geht es um die Diskrepanz zwischen gedachten Grenzen, die mit Vorurteilen behaftet sind und unser zwischenmenschliches Leben beeinflussen und den realen, orthographischen Landesgrenzen.

Während die Medien beispielsweise ein Bild von der Schweiz als abgeschottet und eigenbrötlerisch propagieren, zeigen die Luftaufnahmen eine ganz andere Situation: Der Splügenpass am Übergang zu Italien erscheint wie leergefegt. Friedlicher, freier und unspektakulärer, als er sich in unserem Kopf festgebrannt hat. So macht Zirwes darauf aufmerksam, dass die eigentlichen Grenzen in uns liegen. In diesem Sinne geht es bei seinen Werken letztendlich auch darum, die Beziehung zu unserem Planeten Erde und vor allem auch die der darauf angesiedelten Menschheit neu zu überdenken.


bis 10.Dezember - 15. Januar 2017



Strzelski Galerie
Mario Strzelski
Rotebühlplatz 30
70173 Stuttgart

Tel +49(0)711 - 601 48 18
galerie (at) strzelski.de

Öffnungszeiten:
Mi - Fr 11 - 19 Uhr
Sa 13 - 16 Uhr sowie nach Absprache