TOMOMI MORISHIMA
blue
28. Juni - 10. August 2014

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Tomomi Morishima
blue

Depression in aller Munde – nein in allen Künstlern, auch bei Morishima?
Wenn man an den Titel blue der dritten Ausstellung in Stuttgart denkt, dann ist die Assoziationskette recht simpel. Dunkle Farbe gleich dunkle Stimmung. Der Begriff der „Blauen Periode“ wurde mit Pablo Picasso etabliert und in den Wortschatz der Kunstgeschichte wie der Popkultur erhoben. Picasso selbst ging drei Jahre lang, ausgelöst durch den Selbstmord eines Freundes, durch eine depressive Phase. Die Bilder waren namensgebend in Blau getüncht und verwiesen mit lethargischen Personenbildern auf Defizite und Fehlschläge des sozialen wie kulturellen Lebens. Wenn man nun von einer blauen Periode spricht, meint man eine depressive Phase im Lebens des Künstlers, die sich auch in seinen Werken spiegelt und auf die tiefen Wunden und Unbehagen im Inneren verweist.

Auch Morishimas Flame und Rula bestechen durch die Dominanz der Blau und Grüntöne und zeigt eine ihm übliche Naturlandschaft in Flammen aufgehen; geometrische Form inklusive. Pilut setzt ein leeres Bett in Morishimas Parallelwelten und wer weiß, vielleicht ist hier eine Referenz zu Tracy Emins Installation My Bed versteckt, welche ihr Schlafzimmer während einer suizidalen Phase darstellte. Zudem die leeren Augen der Porträts wie bei Die Lüge oder Drup. Gesichter die eine tiefe Trauer in sich zu tragen scheinen und dabei doch in ihren dicht gefärbten Hintergründen verschwinden – ein Verschluckt-sein in seiner Umwelt, der Untergang der Mimik als Untergang des Selbst.

Dennoch bleibt dies letztlich nur eine Perspektive die aus einem Wort geboren ist und wird dabei Morishimas Werk nicht gerecht. Denn eine Deprivation der Farben lässt sich genauso wenig feststellen wie eine der Motive: Morishima bleibt seinem Darstellungsansatz treu ohne dabei in repetitive Muster zu verfallen oder gar zu enttäuschen. Seine Porträts bestechen nicht nur durch melancholische Anklänge sondern immer wieder durch Farbfülle. Setzt Morishima die Menschen in den Werken meist zwischen Natur und anorganische, geometrische Formen, die sich wie Räume im Nichts lesen, wird hier die Person und das Gesicht durch die komplette Absenz anderer Elemente in den Vordergrund gerückt. Abschließend lässt sich Blue, ohne einen Verweis auf eine persönliche Krise zu bieten, perfekt in die Reihe von Morishimas Werken einordnen. Darüberhinaus bildet die Ausstellung den nächsten Schritt seines Oeuvre oder das nächste Kapitel in unserem Verständnis der kleinen Theory Of Everything des Künstlers: Die Lebenswelt, von der abstrakten Darstellung zutiefst menschlicher Ausdrücke bis zu der Kollision lebendiger Natur und architektonischer Räumlichkeit, künstlerisch ausdrücken wie auch durch Interpretation erweitern.

Jayanthan Sriram