Ausstellungseröffnung Freitag, 15. August 2014, 19 - 23 Uhr
16. August - 14. September 2014

Ronald Franke
ELDORADO
cover

„Seit dem ich Gold male, arbeite ich wieder“

Die Fantasie der goldenen Stadt – Eldorado – der mystische Ort der sich im Herzen aller Sehnsüchtigen noch findet. Unendlicher Reichtum, Unendlicher Ruhm, Unendlichkeit. Es verwundert nicht, dass aus diesem Mythos heraus ein ganzer Kontinent erschlossen wurde und diese Figur stetig in den fiktionalen Wunschträumen der Menschen, ob im Kinderbuch oder Actionfilm, auftaucht. Ewigkeit scheint mit dem Glück synonym und wohl die größte Idee des Menschen zu sein.

Ronald Franke bringt mit seinen neusten Werken genau diesen Wunsch zum Ausdruck, doch persönlicher könnten sein Anliegen und seine Version des Eldorado nicht sein. Schon früh verschrieb sich der 1960 geborene Künstler der Landschaftsmalerei. Doch waren seine Motive nie eindeutig, weder einer Stadt oder einem bestimmten Ort verschrieben, sondern beriefen sich eher auf Eindrücke und Ideen, die von realen Orten evoziert wurden. Es war also nie Landschaftsmalerei im engen Sinne, viel eher der Ausdruck inhärenter Dynamiken, Visionen, die sich als Städte manifestieren. Abwegig ist dies nicht, stellt die Stadt doch eine monumentale, fließend strukturierte Entität dar, die für sich genommen Lebenswelt wie auch Gegenentwurf zum Ursprung des Menschen, der Natur ist.

Warum also nun die Stadt in Gold tünchen? Ronald Franke sieht sich Tag für Tag dem eigenen Tod gegenübergestellt. Nicht in einer streng philosophischen Weise des „vanits mundi“ („alles ist vergänglich“) – Franke trägt den Tod in sich, lebt mit ihm, er wächst und breitet sich aus. Mit der Diagnose der Lungenmetastasen proklamierten die Ärzte schon im Dezember letzten Jahres das Unvermeidliche und doch lebt Franke bis zum heutigen Tage. Jedoch ist die Krankheit nicht überwunden, der Tod ist eine, wenn auch nicht prognostizierbare Gewissheit, die für ihn spürbarer ist als für den normalen Menschen. Das absehbare Ende war es auch, dass ihn zur Farbe Gold trieb. Schon immer die Farbe des Ewigen und Unvergänglichen. Denn Gold vergeht nicht, es behält seinen Wert, vor allem für in den Augen der sterblichen Menschen.

Der Tod und Gold sind es auch die den Künstler zu inspirieren scheinen. Der Satz „Seit ich Gold male, arbeite ich wieder“ von Franke bringt es hierbei auf dem Punkt. Derzeit mit fünf Assistenten ist Franke dabei in hoher Frequenz seine wohl letzten Werke in die Welt zu setzen. Seine Formate sind dabei expandiert und ein Werk im Maße von 3 x 5 Metern scheint Ausdruck der wiedererlangten Vision zu sein, die fulminanter ist als das sie kleinformatig haltbar wäre. Perspektivisch lässt sich in den Goldbildern auch eine Wandel feststellen. Bedienten sich viele seiner früheren Werke einer Froschperspektive hat sich Frankes Auge nun erhoben und schwebt über den Städten. Die Vogelperspektive ist, wie auch der Top-Shot im Spielfilm, vielleicht ein Verweis auf den Übergang ins Jenseitige, eine Trennung vom Halt der Erde und allem was uns in der Existenz hält.

Jayanthan Sriram